Fallbericht 3 Phönix

Phönix: Gesucht werden nur “bestimmt” auftretende Trainer

 

Einen kurzen Blick hinter die Kulissen der illegal agierenden “Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung” konnte eine Trainerin werfen, die sich beim Projekt phönix beworben hatte, nicht wissend, was sie da erwarten würde. Hier ihr Bericht:

Zur Vorgeschichte: Ich bin leider auch schon länger arbeitslos und habe ein Vermittlungsdefizit: ich bin überqualifiziert. Ich habe auch einige durchaus prinzipiell sinnvolle Ausbildungen vom AMS bezahlt bekommen, die leider sich dann als sinnlos herausgestellt haben, weil die Firmen naturgemäß lieber jemanden nehmen, der Praxis hat und nicht nur Ausbildung oder wenn schon keine Praxis, dann wenigstens jung, billig und willig! Beziehungsweise habe ich eine sehr tolle Ausbildung bekommen – als EDV-Trainerin, eine Tätigkeit die mir total Freude macht, die darf ich aber in AMS-Massnahmen nur dann ausüben, wenn ich 2000 Stunden in AMS-Massnahmen unterrichtet habe *das ist kein Scherz*.

Privatanbieter gehen auch nicht, weil es deren nicht mehr viele gibt und sobald auch nur ein Teilnehmer seine Ausbildung vom AMS finanziert bekommt, bin ich draußen und darf nicht mehr unterrichten.

Tja und so schaute die Situation im März 2006 aus. Ich war verzweifelt, musste gemeinsam mit Sohn von 540 € Notstand überleben und hatte wieder mal einen Kontrolltermin. Dort brach ich bei der lieb gemeinten Frage meines AMS-Beraters nach Neuigkeiten in Tränen aus und erzählte ihm von den ca. 600 Bewerbungen der letzen drei Jahre in den Bereichen Assistenz der GF, EDV-Trainerin, Buchhalterin, Personalverrechnerin usw.

Dort bekam ich dann die Chance –- nicht lachen, für mich ist es eine –- zu JobTransFair zu kommen. Ich nahm diese gerne an. Zuerst nur weil ich doch ein wenig mehr Geld bekomme, zweitens auch weil ich nicht zu jenen zähle, die jede Maßnahme sofort ablehnen. Also kurz: Ich wurde genommen und bekam die Riesenmöglichkeit – nach dem Probemonat – direkt bei Job-TransFair im Praktikum als EDV-Trainerin zu arbeiten. Es macht mir sehr viel Spaß, in der Schulung herrscht eine gute Stimmung zwischen TrainerInnen und TeilnehmerInnen und es wird menschlich auf die Bedürfnisse eingegangen.

Sehr viel Freude macht es mir ebenso die „”NEUEN” in der ersten Woche bei Lebenslauferstellung und ersten Schritten der Bewerbungsunterlagen zu unterstützen, da ich im Sozialbereich jahrelang tätig war, bietet es sich an die Trainerausbildung zusätzlich zur EDV-Trainerausbildung zu machen, und da beginnt das Dilemma. Ich kann sie mir von Euro 850.– nicht leisten und sie wird mir nicht bezahlt. Also habe ich meine Bewerbungsaktivitäten dahingehend ausgedehnt, dass ich mich auch für Trainerjobs bewerbe und anbiete bei Einstellungszusage die Ausbildung berufsbegleitend zu machen, Finanzierung durch Job-TransFair wäre dann möglich.

Und so stieß ich auf das Inserat von Der Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung in dem sie Personalvermittler für den Raum Wien suchen. Übrigens: Das Inserat war in der Krone unter „”Diverse Jobs” – direkt unter den Anzeigen der Sexhotlines *lach*. Also habe ich mich beworben, in der Hoffnung eventuell so meine Ausbildung, die meine Berufschanzen eklatant erhöht, finanzieren zu können.

Lange Rede kurzer Sinn, mein Bewerbungsschreiben war erfolgreich. Ich hatte gestern Vorstellungsgespräch bei Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung (Herr Dr. Miklau).

Der erste Eindruck des Büros im 9. war nicht übel, auch nicht der erste Eindruck von Herrn Dr. Miklau, obwohl er mir trotz Hitze nicht mal ein Glas Wasser anbot und auch die Ausstattung des Bewerbungsraumes seltsam war. Na ja –”Kleinigkeiten”.

Er erzählte mir sofort ziemlich lange die Geschichte der Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung, für meine Qualifikation interessierte er sich nicht (Näheres warum das so ist – später), so nach ca. 5 Minuten kam heraus, dass die Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung das PROJEKT PHÖNIX betreibt und er in diesem Projekt keinerlei Aus- und Weiterbildung anbietet, sondern sich auf aufsuchende Arbeitsplatzvermittlung spezialisiert hat. Dies macht er mit Duldung und Unterstützung des AMS. Die Arbeitslosen werden vom AMS zugewiesen und den Rest wie es abläuft, kennt ja der eine oder andere Arbeitslose.

Dr. Miklau machte überhaupt keinen Hehl daraus, dass er davon überzeugt ist, dass diese Vorgehensweise die einzig richtige ist, diese Personen wieder in Beschäftigung zu bringen. Weiterbildung bringe da nichts. Er nehme auch keinerlei Rücksicht auf Betreuungspflichten, körperliche oder psychische Beschwerden (Suchterkrankungen), weil das alles vergehe schon, wenn jemand arbeitet. Auf Wünsche und Bedürfnisse der zu Vermittelnden werde sowieso keine Rücksicht genommen!

Vielleicht bin ich ein Sozialträumer, aber ich hatte dauernd so ein gewisses Schild „”Arbeit macht Frei” vor Augen.

Irgendwann nachdem er mich nieder geredet hatte, fragte er mich ob ich mir den Job eines aufsuchenden Personalvermittlers vorstellen kann. Jetzt habe ich begonnen ihn auszufragen. Gerichtsurteil, wie stehen AK, Gewerkschaft, etc. zu diesem Vorgehen und ihr werdet es nicht glauben. Dr. Miklau gab bereitwillig Auskunft, dass ihn und sein Vorgehen die „”LINKE REICHSHÄLFTE“ als nazimässiges Vorgehen vorhält, aber das sei ihm egal. Phönix habe eine 60%ige Erfolgsquote und das AMS verhänge viel zu wenig Sperren!!!

Ich habe ihn dann gefragt wie er es sich vorstellen kann, dass das AMS Phönix trotz Gerichtsurteil weiter mit (Daten von) Teilnehmern versorge. Und wenn Ihr bisher gelesen habt –- haltet Euch jetzt fest

Dr. Miklau war bis zu seiner Pensionierung als Personalmanager bei einer großen Pharmafirma als Vertreter der Wirtschaftskammer in der paritätischen Kommission (Verwaltungsrat) des AMS und im esf Begleitausschuss des Wirtschaftsministerium (BMWA).

Gut, zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch genauer als vorher, dass ich dort sicher nie arbeiten möchte und ich habe ihn gefragt, ob es nicht sinnvoller wäre, Personalvermittler zu nehmen, die Ausbildung im Bereich Sucht mitbringen, da ja dies eine große Gruppe seiner Klienten beträfe, aber er meinte nur er brauche Leute, die „“bestimmt” auftreten, Lebenserfahrung mitbringen und keine Sozialromantiker, weil eben Arbeit ja das Problem eh löst!

Na, ja zum Glück habe ich keinen Führerschein und habe auch klar gesagt, dass ich mit diesem Methoden bzw. mit seiner Einstellung auch ein Riesenproblem habe und somit war der Job erledigt.

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